Das Bindungshalten

 

(Mutter nach einem Halteprozess mit ihrem Sohn)
Wo kommt diese Lebensform und Therapieform her?
Martha Welch (USA)entwickelte die Methode des „forced holding“ in der Arbeit mit Eltern und ihren autistischen Kindern, um diesen Kindern die Möglichkeit zu geben ihre Bindungs- und Kontaktfähigkeit zu verbessern.
1981 brachten der Nobelpreisträger Nico Tinbergen und seine Frau dieses Wissen nach Deutschland.
Jirina Prekop nahm diese Erfahrungen in ihre Arbeit mit auf und entwickelte sie zusammen mit zahlreichen Therapeuten
zu dem heutigen Konzept des Festhaltens als Lebensform und Therapie nach Prekop.
In zahlreichen Büchern berichtet sie von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen, die sie im Laufe der Jahre in der Arbeit mit Menschen gewonnen hat. 
Dank der zahlreichen Erfahrungen, die wir mit Familien, Paaren und Einzelnen Erwachsenen
im Rahmen unserer Seminare und in unseren Praxen sammeln,
hat sich unsere Arbeit weiter differenziert und gleichzeitig präzisiert:
- Jeder Mensch braucht eine unterschiedliche Intensität in der Körper- und Emotionalarbeit.
   Dadurch kann das Erlebte besser integriert werden.
- sie lernen bei uns eine angemessene Selbstwahrnehmung.
- sie erleben Entlastung durch das finden persönlicher Ausdrucksformen.
Daraus haben sich über das Festhalten hinaus neue Formen der Haltetherapie entwickelt.
Diese nennen wir Bindungshalten:
Im Bindungshalten werden wesentliche, l
eider nicht mehr selbstverständliche Inhalte wieder erfahrbar:  
die körperliche und emotionale Nähe die wir Menschen brauchen,                                                                                                                 
um uns wohl zu fühlen (auch in Krisenzeiten).                                                                                                                                               
In der Arbeit mit dem Bindungshalten werden Menschen darin gestützt
ihre Fähigkeiten im Kontakt mit sich selbst und anderen zu entwickeln.
Eingebettet in einem haltgebenden Rahmen und in einem achtungsvollen Umgang im Miteinander,                                                                         
entdecken Menschen neue Möglichkeiten ihre Beziehungen und Bindungen
erneut auf zu nehmen, zu gestalten und zu stärken.                           
Eine Bindung entsteht da, wo zwei Menschen eine tiefe Erfahrung miteinander teilen und durchstehen. 
Die erste, prägendste und wichtigste Bindung ereignet sich zwischen Mutter und Kind.
Die Erfahrungen die wir im Mutterleib, während der Geburt und in den ersten Wochen/Monaten mit der Mutter teilen,
prägen auf einer entscheidenden Art und Weise unsere späteren Fähigkeiten in der Gestaltung von Beziehungen und Bindungen.
Auch alle weiteren Erfahrungen, die wir mit uns wichtigen Bindungspersonen, wie Vater, Geschwister, Großeltern,..machen,
haben einen entscheidenden Einfluß darauf, wie wir im weiteren Leben Kontakte schließen und pflegen. 
Unsere Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen zeigen:
die Bindung zwischen Mutter und Kind kann unter konkreten Bedingungen wie z.B.
bei pränatalen Diagnosen, Frühgeburt/Brutkasten, Kaiserschnitt, frühe Trennung von Mutter und Kind…
wesentlich gestört werden, wenn beide zu dem Zeitpunkt diese Situation nicht gemeinsam durchstehen und verarbeiten konnten.
Kinder, die eine natürliche Anbindung an die Mutter verloren haben,
werden unruhig und zeigen dies auf unterschiedlichster Art und Weise.
Oft merkt die Mutter an dem Verhalten des Kindes, dass ihm etwas fehlt.
 
Unsere therapeutische Arbeit setzt da an, wo die Verbindung zwischen zwei Menschen entscheidend verletzt wurde.
Wir begleiten diese Menschen darin eine körperliche Nähe zueinander zu finden, die ihnen Sicherheit und Halt bietet.
Indem diese zwei Menschen sich körperlich und emotional nahe kommen werden Erfahrungen aktualisiert,                                                                                 
die die Beziehung dieser zwei Menschen bis dahin geprägt haben.
Diese Erfahrungen werden nun bewusst wahrgenommen und ausgedrückt.
Dadurch entsteht ein tieferes Verständnis für sich und den anderen.
Das Wesentliche dieser Beziehung wird erfahrbar.
Neue Wege und Sichtweisen werden daraus abgeleitet und erlebt.    

In der praktischen Erfahrung mit dieser Arbeit ist viel Wissen entwickelt worden,

wie Menschen im Alltag unter Einbeziehung ihres Körpers und ihrer Gefühle

miteinander Komunizieren und in Beziehung treten können. 

Zahlreiche natürliche Umgangsformen sind uns in der zivilisierten Gesellschaft abhanden gekommen,

die das Leben mit anderen Menschen lebendiger gestalten, den Kontakt erleichtern und vertiefen.

Das Bindungshalten nimmt diese Weisheiten wieder auf.